Perfektionist mit Bodenhaftung

von Monika Beudel

Auf eine bemerkenswerte Erfolgsserie blickt Moritz Treffinger in der noch relativ frischen Turniersaison 2018 zurück: Das deutsche Nachwuchstalent konnte nicht nur beim CDIP in Le Mans von 16. bis 18. Februar drei Siege auf sein Konto verbuchen, sondern blieb auch beim Oster-CDI in der Lake Arena (26.03.-02.04.2018) ungeschlagen. Wir haben mit ihm über den Einstieg in den Reitsport, die Stärken seines Ponys und die Pläne für die Zukunft gesprochen.
 
 
Moritz Treffinger macht das Reiten Spaß. Das sieht man in der Vorbereitung, im Viereck und wenn er von sich und seinem Pony spricht. Sobald er „Topsi“ erwähnt, beginnen seine Augen zu leuchten. Lebhaft erzählt er von der turbulenten Anfangszeit und von seinen bisherigen Erfolgen. In sämtlichen Geschichten merkt man die tiefe Verbundenheit zu seinen Pferden. Kritisch hinterfragt er seine Leistungen, stapelt tief, weiß aber auch, was er schon geleistet hat. 
 
Das Talent wurde Moritz Treffinger bereits in die Wiege gelegt. Seine Mutter Santina Treffinger, die früher selbst im Turniersport aktiv war, hatte den Sohn quasi von der ersten Stunde an im Stall mit dabei. Im zarten Alter von zweieinhalb Jahren stieg Moritz Treffinger mit Pony-Führzügelklassen in den Turniersport ein. Der Grundstein für eine erfolgreiche Karriere im Reitsport war damit gelegt.
 
Der Baden-Württemberger fand schnell Gefallen an der Dressur. Auf Ponys sammelte er weiterhin Turniererfahrung. Mit dem zur Verfügung gestellten No Limit wurde er mit gerade einmal zwölf Jahren in den Landeskader berufen und kürte sich zum Baden-Württembergischen Meister. Die Suche nach einem eigenen Pony verlief zunächst erfolglos. Obwohl Moritz mehrere hochkarätige FEI-Ponys zur Probe unter dem Sattel hatte, war er von keinem wirklich überzeugt. Über den Tipp eines Bekannten wurde die Familie Treffinger dann auf den Stall von Nina Huber aufmerksam. Schon im Vorfeld haben sie sich auf einem Foto in die auffällige Dunkelfuchsstute Top Queen H verliebt. „Wir haben uns gedacht: ‚Wow, das ist ein tolles Pony. Es wäre schön, wenn das passen würde’“, erinnert sich Santina Treffinger zurück. Vor Ort präsentierte sich die siebenjährige Stute energiegeladen, was die Mutter wieder etwas zweifeln ließ. Moritz hingegen war sich nach nur zwei Runden im Sattel sicher: „Das ist mein Pony!“
 

Dream-Team im Viereck: Moritz Treffinger und Top Queen H. Foto: © Pferdenews.eu

 
Startschuss für Erfolgsserie
Die Anfangszeit mit der noch unerfahrenen „Topsi“ gestaltete sich nicht immer einfach. Mit einem Grinsen lautet die Antwort auf den ersten gemeinsam Turnierstart und wie es gelaufen war prompt: „Es war schnell! Wir haben sie im Dezember bekommen und waren im Januar gleich auf dem ersten Turnier unterwegs. Es war zu Beginn schwierig, weil sie viel Energie hatte. Wir haben aber dann schnell den Draht zueinander gefunden, sie fühlte sich wohl bei uns und dann kam alles Schlag auf Schlag mit den Teilnahmen bei den Baden-Württembergischen und Deutschen Meisterschaften“, erzählt Moritz.
Mit diesen großen Erfolgen in der ersten Turniersaison war der Startschuss für eine unglaubliche Erfolgsserie gefallen. Das eingespielte Duo wurde darüber hinaus noch für Kronberg, der Sichtung für den Preis der Besten, nominiert. Im Jahr darauf holten sie beim Preis der Besten in Warendorf den hervorragenden dritten Rang und waren auch bei den Future Champions in Hagen am Start. Die gemeinsame Erfolgsliste wuchs beständig länger und wurde schon bald um eine Bronzemedaille bei den Deutschen Meisterschaften und die Nominierung auf die Longlist für die letztjährige Pony-EM erweitert.
In der aktuellen Saison stehen die Europameisterschaften ganz oben auf der Liste der gesetzten Ziele. Der Grundstein dafür wurde schon in beeindruckender Weise gelegt: Ungeschlagen lautet das Attribut, mit dem sich das Erfolgsgespann im heurigen Jahr auf internationaler Bühne schmücken darf. Nach den Siegen en suite steht nun eine Pause an. Danach werden die Sichtungsturniere in Kronenberg, Warendorf und Hagen angepeilt. Dafür trainiert der 14-Jährige hart. Drei Mal wöchentlich arbeitet Treffinger mit Trainer Joachim Neubert an seiner Performance.
 

Treffinger freut sich über jeden Erfolg wie am ersten Tag. Foto: © Fotoagentur Dill


Selbstkritischer Perfektionist
Trotz seiner Erfolge bleibt Moritz am Boden: „Wir wollen dieses Jahr wieder eine schöne Saison abliefern. Die Hauptsache ist, dass wir gesund bleiben und Spaß am Sport haben. Und das haben wir auf alle Fälle!“ 
Am Turnier kommt dem 14-Jährigen seine Coolness zu Gute. „Bei den Turniereinsätzen ist es wichtig, dass wir punktuell gute Leistung abrufen können – darauf arbeiten wir hin. Vor der Prüfung kann ich mittlerweile gut ruhig bleiben. Mit Druck würde ich auch nur mich und mein Pony verrückt machen. Klar bin ich manchmal nervös, aber nicht mehr so wie am Anfang“, sagt Treffinger. Moritz weiß, was er kann, und dass auf seine Stute Verlass ist. Die bewegungsstarke Topsi ist im Viereck stets hellwach, aufmerksam und motiviert. Privat gibt sich Top Queen H aber ganz anders: Mit ihren Freunden auf der Koppel und schlafend in der Box. Ihre Besonderheiten? Ganz klar, ihr Aussehen, die breite Blesse und die langen Ohren. Sie punktet im Viereck mit enormer Bewegung, hat einen Traumcharakter und eine tolle Einstellung: „Sie kämpft und will immer alles richtig machen“, lobt Moritz sein Pony.
Santina Treffinger beschreibt ihren Sohn als Perfektionisten. „Moritz versucht immer alles tausendprozentig gut zu machen. Es muss perfekt sein und das versucht er auch umzusetzen. Wenn ein Fehler passiert, sucht er den aber immer bei sich: ´Hätte ich noch ein Stückchen besser reiten und aufmerksamer sein müssen´. Er hat noch nie seinem Pony die Schuld gegeben, sondern immer selbstkritisch bei sich gesucht.“
Die Freude über jeden einzelnen Erfolg überwiegt wie am ersten Tag. „Es hätte ja auch schief gehen können in der bunten Halle, bei den schwierigen Lektionen oder der Kür. Und das ist eine weitere große Stärke von Top Queen H: Sie ist absolut verlässlich und guckt nicht. Außerdem kommt sie bei internationalen Richtern gut an“, sagt Moritz.